Pflege / Zucht

Die Kornnatter ist eine dämmerungs- bzw. nachtaktive, sehr leicht zu pflegende Schlange und durchaus für den Einstieg in die Terraristik geeignet.
Die hier folgende grobe Haltungsbeschreibung ist für den Hobbypfleger und stellt auch nicht die einzige "richtige" Haltung dar.

Namen:

Zu dem Namen "Kornnatter" kam es wahrscheinlich dadurch, dass die Tiere vermehrt in der Nähe von Kornfeldern und -speichern gesichtet wurden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass das Angebot an Nagetieren dort nun mal höher ist als anderswo. Ob nun eine Fehlinterpretation des Nahrungsspektrums wie bei der "Milchschlange" eine Rolle dabei spielt ist mir unbekannt.

wissenschaftlich:

Kornnatter
Coluber guttatus — LINNAEUS 1766: 385 – Terra typica: Carolina
Coluber maculatus — BONNATERRE 1790: 19 – Terra typica: Louisiana
Coluber compressus — DONNDORF 1798: 206 – Terra typica: ubekannt
Coluber carolinianus — SHAW 1802: 460 – Terra typica: Carolina
Coluber molossus — DAUDIN 1803: 269 – Terra typica: Carolina
Coluber pantherinus — DAUDIN 1803: 318 – Terra typica: unbekannt
Natrix pantherinus — MERREM 1820: 124
Coluber floridanus — HARLAN 1827: 360 – Terra typica: Ostflorida
Scotophis guttatus — BAIRD & GIRARD 1853: 78
Elaphis guttatus — DUMêRIL 1853: 453
Coryphodon Pantherinus — DUMêRIL, BIBRON & DUMêRIL 1854: 181
Elaphis alleghanensis — JAN & SORDELLI 1867: Liv.24, Pl.2, Fig. 2 (part.)
Coluber guttatus sellatus — COPE 1888: 387 – Terra typica: Florida
Coluber rosaceus — COPE 1888: 388
Coluber guttatus guttatus — COPE 1892: 633
Coluber guttatus — BOULENGER 1894: 39
Callopeltis guttatus — LÖNNBERG 1895: 326 (part.)
Callopeltis guttatus — LÖNNBERG 1895: 327
Elaphe guttatus — WRIGHT & BISHOP 1915: 161
Elaphe rosacea — BARBOUR 1920: 69
Elaphe guttata — STEJNEGER & BARBOUR 1923: 90
Elaphe guttata rosacea — WRIGHT & WRIGHT 1957: 227
Elaphe guttata guttata — MITCHELL 1977:33
Elaphe guttata rosacea — HAAST & ANDERSON 1981: 96 (err. typ.)
Elaphe guttata guttata — SCHULZ 1996: 298
Elaphe guttata rosacea — SCHULZ 1996: 305
Pantherophis guttatus — UTIGER et al. 2002

trivial:

Pantherophis guttatus
Deutsch: Gewöhnliche Kornnatter
Englisch: Eastern Corn snake

Handling:

Schlangenbiss - Pantherophis guttatus, amelanistic
Schlangenbiss
Pantherophis guttatus
amelanistic

Das Handling sollte man auf nur wirklich notwendige Dinge reduzieren. Eine Schlange braucht keine Streicheleinheiten oder Körperkontakt zum Pfleger. Sie bauen auch keine Beziehung zu diesem auf!
Es tritt über kurz oder lang zwar ein gewisser Gewöhnungseffekt auf der oftmals mit einer emotionellen Bindung verwechselt wird, das Handling bedeutet aber im Vergleich zum Terrariumleben nur Stress für das Tier. Wenn man obendrein ein stressempfindliches Exemplar erwischt hat, kann dauerhafter oder übermäßiger Stress z.B. mit Futterverweigerung und aggressivem Verhalten des Tieres "belohnt" werden.


Häutung:

Häutungen treten in mehr oder minder regelmäßigen Abständen ein und hängen primär von der Fütterung ab.
Zu erkennen sind sie meist an einer Trübung des Gesamterscheinungsbildes. 3-4 Tage nachdem die Trübung wieder verschwunden ist häuten sich die Tiere. Während der Trübungsphase sollte man eine leicht erhöhte Luftfeuchtigkeit durch gelegentliches Sprühen von Wasser bieten. Aber bitte keinen Regenwald aus dem Terrarium machen! Kornnattern vertragen zu hohe Feuchtigkeit nicht auf Dauer!
Je nachdem ob ein Tier noch im Wachstum oder schon lange ausgewachsen ist, häutet sich das Tier in kleineren bzw. größeren Intervallen. Außerdem häuten sich Tiere mit Verletzungen des Schuppenkleides in kürzeren Abständen damit die verletzte Stellen möglichst schnell wieder mit Schuppen bedeckt ist.
Nach jeder Häutung sollte man sich das Natternhemd genau ansehen und überprüfen ob es vollständig ist. Bei Zweifel sollte man das Tier genauestens kontrollieren, besonders im Bereich der Schwanzspitze. Es kommt nicht selten vor, dass ein kleiner Rest an der Spitze hängen bleibt. Bei dem weiteren Wachstum des Tieres schnürt die alte Haut das Gewebe ab und die Schwanzspitze kann absterben. Eine einfache Methode Häutungsreste zu entfernen ist einfach mit ein wenig warmen Wasser oder Spucke zwischen den Fingern die betroffene Stelle einzureiben und nach kurzer Zeit durch sanftes drüber streichen die Haut zu lösen.


Fütterung:

Wie:

Schlangenfütterung, Pantherophis guttatus (Kornnatter), Bloodred, bloodred, het. amelanistic, Shifty
Aufnahme vom: 20.06.2006
Schlangenfütterung
Pantherophis guttatus
Bloodred, Shifty
zum Datenblatt

Lebend oder tot? Das ist wohl eine der meistdiskutierten Fragen in der Terraristik.
Vorweg sollte man darauf hinweisen, dass der Gesetzgeber das Verfüttern von lebenden Wirbeltieren zwar nicht grundsätzlich verbietet aber die unnötige Schmerzzuführung (die nun mal bei einer Lebendfütterung im Vergleich zu den zugelassenen Tötungsmethoden geschieht) unter Strafe stellt. Lediglich bei Tieren, die nicht an totes Futter zu gewöhnen sind, soll der Gesetzgeber eine Ausnahme machen.
Als Gründe für eine Lebendfütterung werden oftmals folgende angegeben:

  • Mein Tier frisst nur lebendes Futter
  • Frostfutter beinhaltet keine Vitamine
  • Das Jagdverhalten kann nicht ausgelebt werden und die Tiere werden aggressiver, wenn sie nicht ab und zu was erlegen können

Wenn ich ganz ehrlich bin, kann ich nicht behaupten jemals dämlichere Argumente für eine Lebendfütterung gehört zu haben als diese!

  • Mir persönlich ist noch keine Schlange untergekommen welche man nicht mit ein bisschen Mühe auf totes Futter seiner Wahl umstellen konnte. Sicherlich war das nicht immer ein unkomplizierter und kurzer Prozeß, aber es war möglich. Meistens wenn Leute behaupten Ihre Kornnattern fressen nur lebendes Futter wurde es nur 3-4 Wochen versucht tot zu füttern und dann aufgegeben. Wenn man aber bedenkt wie lange eine gut genährte Kornnatter hungern kann ohne zu verhungern... ist das ein Witz. Gerade Kornnattern sind bezüglich der Frostfuttergewöhnung eigentlich keine Problemtiere!
  • Wenn Frostfutter keine Vitamine enthält sollten doch Menschen in der Tiefkühl-Fertiggericht-Zeit doch längs an Vitaminmangel eingegangen sein. Es ist einfach nur falsch zu behaupten Frostfutter enthielte keine Vitamine. Allerdings sollte man schon bedenken, dass Frostfutter auch nicht unbegrenzt gelagert werden kann!
  • Das Jagdverhalten und die Aggressivität... Ganz einfach gesagt:
    Schlangen jagen nicht weil Sie Spaß oder Freude daran haben, sie tun es um zu überleben!
    Wer nicht mit einem ungestümen Tier klarkommt, aber trotzdem Raubtiere halten will die man nun mal nicht zähmen kann, welche nun mal kaum bis keinerlei Sozialverhalten aufweisen, sollte sich lieber mit einem Stoffhasen anfreunden! Es sind nun mal keine Tiere zum kuscheln und es kann schon mal passieren, dass einem ein Tier zeigt was es von einem hält.
    Als Beispiel möchte ich hier noch meine Schönnattern (260cm Körperlänge und ~5kg Gewicht) erwähnen die von ihrem Vorbesitzer auch als aggressiv beschrieben wurden wenn sie nicht ab und an lebendes Futter bekommen. Selbst nach monatelanger Fütterung mit toten Ratten haben die Tiere keinerlei gesteigerte Aggression oder Lethargie an den Tag gelegt. Und mal ganz nebenbei: Ein einzelner Biss einer adulten Maus ist um ein vielfaches schmerzhafter als eine 5 Minuten Dauerakkupunktur der Finger durch eine adulte Kornnatter.
Den einzigen Grund den ich persönlich für eine Lebendfütterung (von Tieren die auch totes Futter annehmen) gelten lassen würde ist folgender:

  • Kein Futtertier muss sinnlos sterben

Ok, kein Futtertier ist übertrieben, aber man kann halt nicht getötete/gefressene Futtertiere wieder in ihren Käfig setzen und muss diese Tiere nicht sinnlos "entsorgen".
Das Alles soll nun nicht heißen, dass ich generell gegen die Lebendfütterung bin, es ging mir nur einmal um die Richtigstellung diverser haltloser Argumente. Zumindest bezüglich der Kornnattern.


Wo:

Bei der Haltung von mehreren Tieren in einem Terrarium sollte möglichst auf eine gemeinsame Fütterung verzichtet werden. Eine gemeinsame Fütterung kann 1000 mal ohne Probleme ablaufen, früher oder später verbeißen sich aber 2 Schlangen in ein Futtertier und werden dann darum kämpfen. Obwohl "kämpfen" ist vielleicht der falsche Ausdruck, da die Tiere sich nicht wirklich als Rivalen sehen und ums Futter konkurrieren sondern einfach nur durch die Bewegung und Herzschlag des jeweils Anderen annehmen, dass die Beute noch lebt und versucht sich zu befreien. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass mindestens eine der beiden Schlangen dies mit Verletzungen und eventuell sogar mit dem Leben bezahlt.
Was liegt also näher als die Tiere zur Fütterung einzeln zu setzen? Meines Erachtens nach gar nichts, da man dieses Handling gleich mit einem allgemeinen Gesundheitscheck verbinden kann.

Was:

Ratten/Mäuse/Küken/Hamster/... diese Liste kann man unendlich fortführen. Eigentlich Alles was vorne rein geht und ordentlich verdaut hinten wieder raus kommt! Trotzdem sollte man schon darauf hinweisen, dass Geflügel für seinen markanten Geruch nach der Verdauung bekannt ist und auch hier eine höhere Gefahr durch Salmonellen besteht. Ich persönlich bevorzuge Ratten in entsprechender Größe, da diese problemlos zu züchten sind, schnell die erforderliche Größe erreichen, nährstoffreicher als Mäuse sind und einfach nicht so extrem stinken.

Woher:

Natürlich besteht früher oder später das Problem woher bekommt man das Beste und zugleich preislich vertretbare Futter. Wer Platz und eine Menge Zeit hat unterhält sich vielleicht eine eigene Futtertierzucht. Recht zügig wird man allerdings merken, dass die Futtertierzucht schnell mehr Zeit in Anspruch nimmt als das eigentliche Hobby und es sich finanziell erst ab einem gewissen Bestand rechnet. Sofern man nur 1-2 Schlangen hält kann man es sich sicherlich noch leisten die Frostmaus im Zooladen um die Ecke für 1-2 € pro Stück je nach Bedarf zu erwerben. Bei größeren Beständen lohnt es sich auf jeden Fall gleich größere Mengen auf Vorrat zu erwerben und damit durch die Mengenabnahme deutliche Preisvorteile zu erzielen. Wer nun nicht eine eigene Zucht hat, einen guten Bekannten der einen mit Futtertieren versorgen kann und/oder keine Lust hat sich auf überfüllten Großbörsen damit für das nächste halbe Jahr einzudecken, dem ist vielleicht gut damit geholfen Frostfutter via Versand zu bestellen.

Gängige Größenangaben:

Pinkies
Frischgeborene, Augen geschlossen, gänzlich ohne Fell daher pinkfarben (meist 1-3 tage alt)
Speckies
gut gesäugte "fette" Pinkies, mit leichter Verfärbung da das Fell anfängt zu wachsen, Augen noch geschlossen
Fuzzies
etwas größer als Speckies, leichter Fellansatz, sehen halt struwwelig aus, meist die Augen gerade geöffnet
Springer
schon fast entwöhnt und ständig unterwegs, bewegen sich meist eher springend und hopsend durch die Gegend (daher auch der Name), nicht einfach einzufangen da total quirlig
semiadult
Mittelgröße zwischen Springer und adult
adult
normal ausgewachsen
XXL oder dergleichen
schon lange adult und richtig fett gefüttert

Wieviel:

Schlangenfütterung, Pantherophis guttatus (Kornnatter), Bloodred, bloodred, het. amelanistic, #57
Aufnahme vom: 04.09.2006
Schlangenfütterung
Pantherophis guttatus
Bloodred, #57
zum Datenblatt

Auch hier gibt es keinerlei feste Werte. Es kommt immer auf das einzelne Individuum, das gewählte Futter und die Haltungsbedingungen an.
Es gehört einfach ein bisschen eigene Erfahrung mit den Tieren dazu, um zu entscheiden wieviel und wie oft. Als Anhaltspunkte kann man nennen:

  • 2-3 Tage nach dem Abkoten frühestens die nächste Fütterung
  • Jungtiere im Wachstum sollten im Verhältnis zur eigenen Körpergröße 1,5 bis doppelt so viel bekommen wie ausgewachsene Tiere
  • ab und zu mal 4 Wochen Fastenzeit hat noch keine gesunde Kornnatter umgebracht
  • Falls mal Futter wieder ausgewürgt wird: Mindestens 1 Woche warten bis zur nächsten Fütterung

Fazit:

Zumindest bei einem etwas größeren Beständen hat sich folgender Ablauf als effizient erwiesen:

  1. Alle Tiere aus den Terrarien sammeln und einzeln in Boxen setzen und dabei gleich einmal begutachten
  2. Jedem Tier aufgetautes Frostfutter in die Box legen, damit man nicht dabei bleiben muss um notfalls einzugreifen
  3. Nun hat man genügend Zeit die Terrarien zu säubern, die Wasserschalen austauschen und ggf. die Scheiben zu putzen ohne die Tiere unnötig zu stören
  4. die Tiere zurück in die frischen Becken setzen

Zucht:

Allgemein:

Nachzuchten 2005 - Pantherophis guttatus
Nachzuchten 2005
Pantherophis guttatus

Die Zucht von Kornnattern ist unkompliziert, selbst ohne Überwinterung paaren sich die Schlangen ohne Probleme. Wer Kornnattern nachzieht ist nicht unbedingt gleich ein kompetenter "Züchter", bei diesen Tieren genügt es einfach ein Pärchen in einem Terrarium zu halten, den Rest besorgen die Tiere. Man sollte sich eine Verpaarung von Kornnattern jedoch gut überlegen. Der Markt ist sehr überfüllt und man ist gegebenenfalls gezwungen die Tiere weit unterhalb der Kosten die Sie verursacht haben abzugeben. Die Freude über ein Gelege und den Schlupf der Jungtiere wird sehr schnell von dem Ärger bei der Suche nach potentiellen Abnehmern überlagert.


Zeiträume:

Ungefähr 60 Tage nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen die Eier. Bei einer Inkubation bei 27°C dauert es dann noch weitere 60 Tage bis zum Schlupf.

Futterfest:

Als Futterfest bezeichnet man Tiere die mehrfach selbstständig gefressen haben. Das muss allerdings nicht so bleiben. Es passiert durchaus, dass Tiere die mehrfach gierig gefressen haben nach einem Transport nicht mehr fressen.

 
 
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© Moritz Reinemund